Mixed Media

 

«Ein Mann verübte einen bewaffneten Raubüberfall auf die ABC-Zweigorganisation in San Francisco und behauptete dass ein Fernsehempfänger in seinem Gehirn eingepflanzt sei, den er nicht ausschalten könne. Nur wenigen wurde bewusst, wie recht er hatte.»

San Francisco Chronicle, 3. August 1975

   

Wie ein Leitmotiv durchdringt dieses Zitat aus den siebziger Jahren die gesamte künstlerische Arbeit von Markus Baumann. Als Kameramann für diverse Fernsehanstalten, insbesondere im Informationsbereich, kennt er die Strukturen der Bild- und Textveröffentlichung in all ihren Facetten. Als Künstler setzt er sich in seinen Arbeiten mit Hilfe fotografischer und copygrafischer Mittel kritisch mit den von den Medien produzierten Wiedersprüchen auseinander. In seinen Bildern werden Textinformationen als Überlagerungen oder Schichtungen transparent gemacht und somit auf einer weiteren Eben als scheinbar zusammenhängend erkannt. Das vermeintlich Zusammengehörige ist eine bewusst ästhetische Umsetzung vom Künstler. Sie gesteht dem Betrachter einen individuellen Interpretationsspielraum zu und fordert ihn auf, über die Bilder und Texte hinauszudenken und das Vorgefundene zu hinterfragen. Indem Markus Baumann bewusst scheinbar nicht zusammengehö- rende «Sendungsinhalte» vermischt, wird die Trennung von Lebensbereichen - hier Information und öffentliches Leben, da privates Leben und Intimität - in seinen Bildern letztlich aufgehoben. Die Zufälligkeit der gewählten Bildausschnitte und Fragmente von Agenturmeldungen aus der sogenannten Wirklichkeit führen weniger zu surrealen Bildern, als vielmehr zu einer wachen Wahrnehmung einer vielschichtig abgebildeten Welt, Die Wiedersprüche werden nicht aufgehoben, verlieren aber etwas von ihrer Absolutheit.

 

September 2008 Brigitte Baumann nach einem Entwurf von Vänçi Stirnemann